Publikationen

Ja, ich schreibe gern von dem, was mich überzeugt -und dies tun auch Andere, wie Sie unten stehend gerne zur Kenntnis nehmen möchten

 

Aus: Zeitschrift "Tierwelt", 22. November 2012

http://www.tiergestützt.ch/up/files/Tierwelt%20Kolumne%20Forth.pdf

 

Aus: Zeitschrift "tiergestützte -Therapie, Pädagogik & Fördermassnahmen", Nr. 3 - 2012

http://www.tiergestützt.ch/up/files/Artikel%20Tiergest%C3%BCtzte%2C%20Herbst%202012%2C%201.pdf

Zum Weiterlesen dieses Artikels (4 Seiten insgesamt):

http://www.tiergestützt.ch/up/files/Artikel%20Tiergest%C3%BCtzte%2C%20Herbst%202012%2C%202.pdf

http://www.tiergestützt.ch/up/files/Artikel%20Tiergest%C3%BCtzte%2C%20Herbst%202012%2C%203.pdf

http://www.tiergestützt.ch/up/files/Artikel%20Tiergest%C3%BCtzte%2C%20Herbst%202012%2C%204.pdf

 

Aus: "NEWS @GHG-st.gallen", Herbst 2010 (Zeitschrift Gemeinnützige- und Hilfsgesellschaft der Stadt St.Gallen, GHG)

http://www.tiergestützt.ch/up/files/HPS.pdf

 

 

Tagblatt Online, 05. Januar 2009 01:04:03

Lernen im Huskyrudel

Zoom

Auf Augenhöhe mit den Huskys: Die Schüler der Time-out-Klasse geben den Hunden das Kommando zum Fressen und erfahren gegenseitigen Respekt.(Bild: Bild: Andreas Butz)

Das Jaulen aus zwölf Hundekehlen fegt über die Schwägalp. Ein Rudel sibirischer Huskys fiebert vor der Nordwand des Säntis seinem Einsatz als Schlittenhunde entgegen. Schüler der Time-out-Schule der Region Rorschach führen sie.

CLAUDIA RINDT

Schwägalp. Auf dem Landwirtschaftsweg vor der Hütte mit der Aufschrift Alpenkäserei bricht freudiges Gebell los. Die Schüler F. (15), Y. (11), F. (13) und L. (13) holen einen Hund nach dem anderen, um ihn vor die drei mit Rucksäcken, Schneeschuhen und Hundefutter bepackten Schlitten zu spannen. Voller Eifer springen mehrere Hunde übereinander. Die Schüler haben Mühe, sie in die Leinen des Geschirrs zu dirigieren. Kaum haben die Huskys ihre Plätze eingenommen, zerren sie los. Wären die Schlitten nicht an Pfosten festgebunden, die Hunde wären längst auf und davongezogen. Nicht ohne Grund hat jeder Schlitten eine Art Anker, ein Eisen, das sich in den Schnee rammen lässt, und eine Fussbremse.

Pädagoge als Rudelführer

Sibirische Huskys sind lauffreudig, schneebegeistert und freundlich. Gern lassen sich die Tiere streicheln und kraulen – auch von Fremden. Rudelführer ist der Erlebnispädagoge Ruedi Wehrli. Er hält seine Hunde auf einem Hof im Appenzell, jedes Jahr verbringt er mit ihnen ein paar Monate im Schnee von Finnland. Im Sommer sind die Hunde wieder in der Schweiz und werden vor Wagen gespannt.

Der gelernte Metallbauschlosser veranstaltet seit vielen Jahren Lager mit Kindern und Jugendlichen, denen er Erlebnisse in der Natur mit den Tieren anbietet, dieses Mal den Schülern aus Rorschach.

Durchhalten bis zuletzt

Jeder Hund hat einen finnischen Namen, einen eigenen Charakter und einen festen Platz im Rudel. Die Schüler dagegen haben Schwierigkeiten in der Schulgemeinschaft. Unter anderem fällt es ihnen schwer, sich zu konzentrieren. In ihren Klassen fühlen sie sich schnell abgelenkt und lenken andere ab. Ihr Verhalten störte den Unterricht. Jetzt haben die Schüler eine mehrwöchige Auszeit (Time-out) von der Regelschule. Die Time-out-Schule bietet Raum, das bisherige Verhalten zu überdenken und – unterstützt von Fachleuten – an Veränderungen zu arbeiten, etwa während der Intensivwoche im Schnee. Die Jugendlichen haben sich fest vorgenommen, durchzuhalten bei allem, was ihnen abverlangt wird. «Anfangs hat es mich voll angeschissen», sagt einer von ihnen.

Die vier jungen Frauen und Männer lernen erst einmal, die zwölf Hunde auseinander zu halten: den schönen und besonders lieben mit dem weissen Fell, den geheimnisvollen mit einem braunen und einem blauen Auge, das besonders vorwitzige und das besonders starke Tier. Die Beschäftigung mit den Tieren erfordert Aufmerksamkeit und Konzentration – beides trainieren die Jugendlichen nebenbei. Die Schüler dürfen sich ihre Lieblingshunde für ihr Gespann aussuchen. Die Wahl sei nie ganz zufällig. «Sie hat viel mit euch zu tun», sagt Sozialpädagogin und Leiterin der Time-out-Schule Ulrike Forth.

Auf der Fahrt zu einer Hütte stehen die Schüler jeweils zu zweit auf den verlängerten Holmen der Kufen und versuchen, ihren Schlitten durch das Verlagern des Gewichts in der Spur des Wegs zu halten. Bei Steigungen muss das Schüler-Team die drei Zughunde unterstützen. Die Jugendlichen treiben den Schlitten dann wie beim Rollerfahren mit einem Bein an oder springen ab und helfen zu schieben. Vergessen die Schüler das Steuern oder reagieren nicht rechtzeitig auf Unebenheiten im Weg, kann der Schlitten sein Gleichgewicht verlieren und in den Schnee kippen. Dann müssen die Schüler das Gefährt aufrichten – und durchhalten auf dem einsamen Weg durch den Schnee.

Füttern vor dem eigenen Znacht

Eine einfache Holzhütte und davor ein noch einfacherer Stallverschlag: Die Jugendlichen erschrecken, als Wehrli ihnen mitteilt, hier solle ihr Schlafplatz sein. «Dann nehme ich den Schlitten und fahr ins Dorf», mault eine Schülerin. Ein anderer mosert: «Wie bei Heidi.» Als die Teenager die «Höhle» entdecken, den Heustock unter dem Dach, sehen sie etwas zufriedener aus. Hoffnung auf ein einigermassen bequemes Nachtlager keimt auf. Schon die Nacht zuvor hatte die Gruppe ungewöhnlich verbracht. In der Kota, einem Kegelzelt, wie es die Lappen benutzen.

Im Hüttenraum flackern die Lichter einer Petroleumlampe und einer Kerze. Der Ofen ist angefeuert. Die Jugendlichen setzen sich, trinken Tee. Gerade machen sich Wärme, Müdigkeit und Hunger im Körper breit. Die Schüler schlagen vor, zu kochen – da mahnen Wehrli und Forth, die nicht zu vergessen, die den ganzen Tag für sie gerannt sind. Die Jugendlichen sollen die Hunde füttern. Im Licht von Stirnlampen tappen sie durch die Schneekälte. Zwei holen Wasser vom Brunnen, einer meldet sich freiwillig für die Aufgabe, mit der Schaufel den Hundekot aufzusammeln, einer füllt die Fressnäpfe mit Wasser sowie Hundefutter und stellt sie nach Anweisung Wehrlis im Halbrund im Schnee auf. Die Schüler führen jeden Hund zu seiner Schüssel. Dabei geht es ganz ruhig zu. Kein Husky drängelt. Jeder legt sich vor seinem Napf nieder, rührt das Essen aber noch nicht an. Dann bittet Wehrli die Jugendlichen, niederzuknien. Sie sind jetzt auf Augenhöhe mit den Hunden und doch die Kommandogebenden. Sie haben etwas zu sagen, behandeln den anderen aber nicht von oben herab, sondern mit Respekt, so wie das auch zwischen Schülern und Lehrern sein könnte. Die Jugendlichen rufen einen Hund nach dem anderen mit seinem Namen auf. Erst dann beginnt das Tier zu fressen. Für die Jugendlichen bereitet Wehrli wenig später ein Fondue zu – ausnahmsweise. Sonst müssen die Schüler selbst kochen.

«Was würde passieren, wenn ich jetzt einfach wegginge?», fragt eine Schülerin in der Hütte. «Du müsstest die Verantwortung für dein Handeln tragen und würdest eine Chance ziehen lassen, die dir die Time-out-Schule bieten will», sagt Forth. Die junge Frau bleibt. Sie hat sich ja auch vorgenommen durchzuhalten - dieses Mal und vielleicht noch viele andere Male in ihrem Leben.

 
Ulrike Forth | E-Mail aufderspur@tiergestuetzt.ch | Telefon 079 754 32 45 | Impressum | Realisierung: RightSight.ch